„Das sehe ich ganz anders.“
Ein Satz, der im Alltag harmlos klingt.
Im Assessment kann er jedoch entscheidend sein.
Weil Umgang mit Feedback eine der zentralen Kompetenzen im Cockpit ist!
Das unsichtbare Thema im Assessment
Viele Bewerber glauben, sie würden ausschließlich bewertet auf:
- Wissen
- Leistung
- richtige Antworten
In Wahrheit wird zusätzlich auch sehr genau beobachtet:
- wie du dich selbst einschätzt
- wie du auf Rückmeldung reagierst
- ob du lernfähig wirkst, oder defensiv
Das läuft meist subtil, aber konstant ab.
Selbstbild: Was wir über uns glauben
Das Selbstbild entsteht aus:
- eigenen Erfahrungen
- Erfolgen und Rückschlägen
- Feedback (oder dessen Fehlen)
Problematisch wird es, wenn das Selbstbild:
- sehr starr ist
- kaum hinterfragt wurde
- auf alten Erfolgen beruht
Dann fühlt sich Feedback schnell wie ein Angriff an.
Fremdbild: Was andere wahrnehmen
Im Assessment entsteht ein Fremdbild:
- unter Zeitdruck
- in ungewohnten Situationen
- in Gruppen- und Interviewsituationen
Das Fremdbild ist keine Bewertung deiner Persönlichkeit,
sondern deiner Wirkung in genau diesem Moment.
Der typische Fehler
Viele reagieren auf Feedback so:
- erklären
- relativieren
- rechtfertigen
- widersprechen
Unbewusst senden sie damit ein Signal:
„Ich muss mich schützen.“
Im Cockpit aber gilt:
- Fehler erkennen
- Rückmeldung annehmen
- Verhalten anpassen
Was Airlines wirklich sehen wollen
Nicht:
- „Ich habe alles richtig gemacht“
Sondern:
- „Ich verstehe, was du meinst“
- „Das war mir so nicht bewusst“
- „Daran kann ich arbeiten“
Diese Haltung zeigt:
- Selbstreflexion
- Lernbereitschaft
- emotionale Stabilität
Alles Kernkompetenzen für Pilot:innen.
Warum das nichts mit Schwäche zu tun hat
Viele verwechseln Feedback-Annahme mit:
- Unsicherheit
- mangelnder Kompetenz
Das Gegenteil ist der Fall.
Wer ruhig bleibt, zuhört und reflektiert, zeigt:
- innere Stabilität
- Selbstvertrauen
- Professionalität
Was gutes Training hier leistet
Gezieltes Assessment-Training hilft nicht dabei,
„die richtigen Antworten“ zu lernen.
Sondern:
- eigene Trigger zu erkennen
- Feedback einzuordnen
- zwischen Person und Verhalten zu unterscheiden
- souverän zu reagieren, auch unter Druck
Das ist trainierbar.
Für wen dieser Punkt entscheidend ist
Dieser Artikel ist besonders relevant, wenn du:
- schon einmal „unerwartet“ gescheitert bist
- im Interview schnell in den Erklärmodus gehst
- Feedback als unangenehm empfindest
- dich selbst eigentlich als reflektiert siehst, aber unsicher bist, wie du wirkst
Ein Gedanke zum Abschluss
Im Assessment geht es nicht darum, keine Schwächen zu haben.
Es geht darum, mit ihnen professionell umzugehen.
✈️ Reflexionsfrage für dich:
Wann hast du zuletzt Feedback bekommen, das dich innerlich gestört hat und warum?