In meinen Trainings bereite ich angehende Pilotinnen und Piloten auf ihr Assessment vor. Neben den Übungen schau ich mir auch ihre Persönlichkeitsprofile an. Dabei begegnen mir immer wieder dieselben Muster.
Mich beschäftigt dabei eine Frage: Was zeichnet die Menschen aus, die sich gezielt auf ein Assessment vorbereiten? Und was hat das mit ihrer Motivation zu tun? Hier sind meine wichtigsten Beobachtungen.
Fünf Muster, die mir immer wieder begegnen
1. Ausgeprägte Gewissenhaftigkeit
Wenn ich die Profile beurteile, sticht ein Bereich klar heraus: Gewissenhaftigkeit. Bei der großen Mehrheit liegt sie deutlich über dem Durchschnitt der Bevölkerung. Besonders hoch sind Selbstdisziplin, Ordnungsliebe und Besonnenheit.
Im Training sehe ich das ganz konkret. Aufgaben werden vorbereitet, Feedback wird mitgeschrieben, Fragen kommen strukturiert. Genau das braucht man später im Cockpit: Checklisten, Standardverfahren, saubere Vorbereitung.
2. Hohe emotionale Stabilität
Fast alle Teilnehmer beschreiben sich als ausgeglichen, belastbar und schwer aus der Ruhe zu bringen. Reizbarkeit und Impulsivität sind auffallend niedrig. Das passt zu einem Beruf, in dem man unter Druck klar denken muss.
Im Training zeigt sich aber auch: Belastbarkeit auf dem Papier und Belastbarkeit unter Zeitdruck in echt sind nicht dasselbe. Wer in einer Übung Druck erlebt, lernt sich im Training oft neu kennen. Genau dafür ist ein Training da.
3. Teamorientierung mit Luft nach oben bei der Durchsetzung
Verträglichkeit ist der zweite Bereich, der deutlich über dem Durchschnitt liegt. Viele Teilnehmer sind kompromissbereit, ehrlich und wenig auf Konfrontation aus. Für die Arbeit in einer Zwei-Personen-Crew ist das eine starke Basis.
Im Vergleich mit erfahrenen Berufstätigen fällt mir aber auf: Durchsetzungsfähigkeit und Tatkraft sind bei vielen noch weniger ausgeprägt. In Gruppenübungen halten sich manche zu lange zurück. Kooperativ sein heißt nicht, die eigene Meinung für sich zu behalten. Ein guter First Officer spricht an, was ihm auffällt, auch gegenüber dem führungsstarken Kapitän.
4. Pragmatische Denker
Bei der Offenheit ergibt sich ein differenziertes Bild. Für Phantasie, Ästhetik und Gefühle sind die Werte eher niedrig. Offenheit für neue Ideen und neue Erfahrungen liegt dagegen im normalen Bereich. Ich lese das so: Viele Teilnehmer sind lösungsorientiert. Sie wollen verstehen, wie etwas funktioniert, und es dann anwenden.
Ein Punkt verdient Aufmerksamkeit. Wer der eigenen Gefühlswelt wenig Raum gibt, tut sich im Interview oft schwer mit Fragen wie „Wie ging es Ihnen nach diesem Fehler?“. Selbstreflexion lässt sich aber üben.
5. Wenn das Profil zu perfekt wirkt
Manche Profile sind fast makellos: extrem belastbar, extrem gewissenhaft, extrem teamfähig. Das ist verständlich. Wer sich bewirbt, will sich von der besten Seite zeigen.
Erfahrene Psychologen in der Auswahl erkennen dieses Muster jedoch. Ein glaubwürdiges Profil hat Ecken und Kanten. Ein stimmiges Bild, das zu deinem Auftreten im Interview passt, überzeugt mehr als ein perfektes.
Motivation
Leistungsstreben und Selbstdisziplin sind bei meinen Teilnehmern besonders ausgeprägt. Auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten liegt deutlich über dem Durchschnitt.
Ich glaube, das hängt eng mit der Entscheidung zusammen, überhaupt ein Training zu buchen. Wer sich vorbereitet, investiert Zeit, Geld und Energie in sein Zie. Das ist gelebtes Leistungsbereitschaft. Übrigens einer der wichtigsten Prädikatoren für prognostischen Erfolg. Stichwort: Schulnoten.
Die Teilnahme ist außerdem ein Zeichen von Lernbereitschaft. Wer ins Training kommt, sagt damit: Ich weiß noch nicht alles, und ich will besser werden. Genau diese Haltung suchen Airlines später. In der Ausbildung, im Simulator und in jedem Debriefing bleibt man als Pilot ein Leben lang Lernender.
Ein Training zeigt eine Haltung: Ich nehme mein Ziel ernst und tue etwas dafür.
Was du für deine Vorbereitung mitnehmen kannst
- Kenne dein Profil. Wer seine Stärken und Entwicklungsfelder kennt, kann im Interview offen und souverän darüber sprechen.
- Antworte ehrlich statt perfekt. Ein authentisches Profil, das zu deinem Verhalten passt, ist glaubwürdiger als ein makelloses.
- Übe unter realistischem Druck. Belastbarkeit zeigt sich erst, wenn Zeit knapp und die Aufgabe neu ist.
- Bring dich im Team ein. Sag deine Meinung, auch wenn sie unbequem ist. Kooperation und klare Kommunikation gehören zusammen.
- Reflektiere deine Erfahrungen. Bereite konkrete Beispiele vor: ein Fehler, ein Konflikt, eine schwierige Entscheidung. Und was du daraus gelernt hast.
- Nutze Feedback. Jede Rückmeldung im Training ist ein kleiner Vorsprung im echten Assessment.
Fazit
Die Menschen in meinem Training bringen viel mit: Disziplin, Belastbarkeit, Teamgeist und den klaren Willen, ihr Ziel zu erreichen.
Im Training geht es darum, dieses Potenzial sichtbar zu machen. Authentisch, unter Druck und im Team.
Du willst dich gezielt auf dein Assessment vorbereiten? Dann melde dich gern bei mir.


