„Mach mich fertig!“

Neulich bekam ich nach einem Interviewtraining eine spannende Rückmeldung.
Ein Teilnehmer meinte, es hätte „etwas härter“ sein können. Das Überraschende: Von außen betrachtet war er mehrfach an seiner Belastungsgrenze.

Diese Diskrepanz ist kein Einzelfall. Viele Bewerber:innen für den Pilotenberuf glauben, dass ein Training nur dann effektiv ist, wenn sie völlig erschöpft und niedergeschmettert daraus hervorgehen.
Doch psychologisch gesehen ist das ein Trugschluss.


Stress – zwischen Antrieb und Blockade

Ein gewisses Maß an Stress ist wichtig, um in einem Assessment-Interview hellwach und fokussiert zu sein.
Aber: Zu viel Stress führt zu Blockaden. Das beschreibt das bekannte Yerkes-Dodson-Gesetz. Die Leistung steigt zunächst mit dem Stresslevel, fällt aber stark ab, sobald die Belastung zu hoch wird.

Für ein Interviewtraining für Pilot:innen bedeutet das: Der Stress muss dosiert sein. Nur dann erkennt man eigene Muster und kann daran arbeiten.


Lernen findet an der Grenze statt

Die Lernpsychologie spricht von der „Zone der proximalen Entwicklung“ (Wygotski). Das heißt: Wir lernen dann am meisten, wenn wir knapp oberhalb unseres aktuellen Niveaus gefordert werden.
Wer jedoch völlig überrollt wird, nimmt am Ende kaum etwas mit, außer einem schlechten Gefühl.

Gerade in der Vorbereitung auf die Pilotenauswahl ist es entscheidend, Stress in einem Bereich zu erleben, der herausfordernd, aber bewältigbar bleibt.


Stress-Immunisierung statt „Fertigmachen“

In der Trainingspsychologie gibt es das Konzept der Stress-Immunisierung: Kandidat:innen werden bewusst mit realistischem Druck konfrontiert, um Strategien für den Umgang damit zu entwickeln.
Unser Ziel ist nicht, jemanden im Assessment-Training „fertigzumachen“, sondern typische Stressreaktionen sichtbar zu machen und gemeinsam Lösungsstrategien für den Umgang zu erarbeiten.


Fazit: Kluges Training statt unnötige Härte

Ein gutes Interviewtraining erkennt man nicht daran, wie schlecht man sich danach fühlt.
Sondern daran, dass man nach der Übung weiß:

  • Wo liegen meine Stressmuster?
  • Wie reagiere ich bei kritischen Fragen?
  • Kann ich meine Antworten und Inhalte gut formulieren ?
  • Stimmt meine Selbstwahrnehmung mit dem überein wir andere mich sehen?

Härte ist nur ein Werkzeug, der eigentliche Wert liegt im Lernprozess. Wer ein Training absolviert hat und klarer versteht, wie er oder sie im Stress reagiert, ist besser vorbereitet als jemand, der nur das Gefühl hat, „plattgemacht“ worden zu sein.

Wir freuen uns wenn du bei unserem nächsten Training dabei bist.

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